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Die Krux der Mediation

 

Da war er der Moment, in dem ich als Mediatorin merkte:

Er zweifelt an meiner Neutralität.

 

Ein guter Moment?
Ich weiß es nicht.

 

Ein Moment in dem ich achtsam sein darf. Sehr achtsam.

Ein Moment, in dem ich merke, wie sich meine Nackenhaare aufstellen, der Adrenalinspiegel steigt. Wie ich darauf achte, weiter fließend zu atmen.

 

Er dauert nicht lang der Moment:

„Was genau hat sie zu der Annahme bewegt, dass ich auf der Seite Ihrer Frau stehe?“

Stille. Ein inneres Achselzucken.

 

Ich nehme das gerade besprochene Thema wieder auf:

„Wir haben gerade über das Haus geredet, darüber wer es evtl. übernehmen kann.

 

Ich habe Ihnen ein Flipchartblatt mitgebracht, auf dem Sie ein bewährtes Kommunikationsmuster finden, um Problemfelder einzukreisen. Es nennt sich

 

„Lösungsorientiertes Sprechen“

-         -   Das Anliegen wird positiv formuliert.

-         -   Es wird so konkret wie möglich formuliert; sowohl bzgl. der Person, die etwas tut, dem Ort, der Zeit und der  Handlung, die getan wird.

-        -   Das Anliegen wird auf Machbarkeit überprüft.

-         -  Das Anliegen soll zeitnah stattfinden. “

 

Gemeinsam mit den Medianten gehe ich dieses Kommunikationsmuster nochmal anhand der letzten Minuten durch.

 

„Sie haben danach gefragt, ob meine Frau die Auszahlung der Immobilie finanzieren kann.“

 

„Ja, das habe ich.“

 

„Damit sagen Sie doch, dass sie die Immobilie übernehmen soll.“

 

Ah, da liegt die Krux.

 

„Nein, das war nicht meine Intention. Ich habe die Machbarkeit für Ihre Frau erfragt. Denn wenn die Lösung nicht machbar wäre, würde sie schon deswegen ausscheiden.
Wie die Lösung aussieht ist für mich vollständig offen. Und es ist Ihre Lösung. Meine mögliche Meinung ist irrelevant.“

 

Noch scheint der Mediant nicht ganz überzeugt. Noch steht die Vergangenheit im Raum.

Doch er kann sich erneut auf das Gespräch einlassen.

 

Der Wunsch beider Ehegatten, sich  beidseits fair zu verhalten und so zu einer guten Lösung zu kommen, steht greifbar im Raum.

Der Weg ist offen.

Ihre
Barbara Eiblmaier
Familienmediatorin
Fachanwältin für Familienrecht

 

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